Nachtschwärmer in Ulm am 24. Oktober 2026
Wenn Karl-Heinrich und Gassenoberknecht Armin zur zwölften Stunde blasen: „Hört ihr Leut und lasst euch sagen, vom Turm die Glock hat zwölf geschlagen! Zwölf, das ist das Ziel der Zeit, Mensch, bedenk die Ewigkeit! Wahrt das Feuer und das Licht, dass dem Haus kein Leid geschieht. Menschenwacht kann nichts mehr nützen, Gott muss wachen, Gott muss schützen. Herr, durch deine Güt und Macht, schenk uns eine gute Nacht!“ Mit diesen eindrucksvollen Worten und dem traditionellen Nachtwächterruf wurden wir in die nächtliche Geschichte Ulms entführt.
31 Nachtschwärmer des SAV Böhringen „Senioren wandern“ machten sich auf, die Donaustadt einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen, und das nicht etwa allein, sondern in bester Gesellschaft! Bevor wir uns auf die Spuren vergangener Jahrhunderte begaben, ließen wir es uns in der Zunftstube der Schiffleute in Ulm bei einer fantastischen Küche so richtig gut gehen. Schließlich wandert es sich mit einem gut gefüllten Magen bekanntlich gleich viel leichter, auch durch dunkle Gassen! Gut gestärkt trafen wir uns anschließend am „Neuen Bau“, dem Polizeipräsidium, mit unserem Nachtwächter Karl-Heinrich und seinem Gassenoberknecht Armin. Von dort ging es hinein in die geheimnisvollen Winkel der Stadt, durch enge Gassen, in denen sich einst des Nachts allerlei Gesindel herumgetrieben haben soll. Da war man doch froh, in einer so großen und friedlichen Gruppe unterwegs zu sein! Wir erfuhren viel Spannendes über das mittelalterliche Ulm, seine Zünfte und das Leben der Menschen in früheren Zeiten. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung im 14. Jahrhundert festigte sich das Zunftwesen, schließlich gab es in Ulm 17 Zünfte. Der Große Schwörbrief, das berühmte Schiefe Haus, die Vaterunsergasse und die Kussgasse standen ebenso auf unserem nächtlichen Entdeckungsprogramm wie die Gerber, Schiffer, Metzger und so manche geheimnisvolle Geschichte rund um die Blau. Dabei wurde schnell klar: Ulm hatte schon vor Jahrhunderten einiges zu bieten, nicht nur ehrbare Handwerker, sondern auch dunkle Ecken, kuriose Begebenheiten und Geschichten, bei denen man gerne noch ein Weilchen länger zugehört hätte. Nach gut 90 Minuten hieß es schließlich, Abschied zu nehmen. Wir bedankten uns herzlich bei Karl-Heinrich und seinem Gassenoberknecht Armin für die unterhaltsame, spannende und lebendige Führung.
Unser herzlicher Dank gilt ebenso allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für diesen wunderschönen Abend in fröhlicher, geselliger Runde, sowie an unsere Gäste, die unsere Gruppe bereichert haben. Und auch Freddy möchten wir für die sichere Hin- und Rückfahrt durch das Ulmer Baustellen-Labyrinth herzlichst danken.
So ging ein rundum gelungener Abend zu Ende, an dem Geschichte lebendig und viel gelacht wurde und die Gemeinschaft nicht zu kurz kam.
Euer SAV Böhringen
